Vorgestern habe ich vom Gegenteil geschrieben www.swissfot.ch/HTM_public_d/Basis/Presse-Kinder_verhungern.HTM "Kinder verhungern", vom Hungertod, der hier in Haïti so viele Kinder dahingerafft hat. Und ich habe geschrieben, dass keine Flugstunde nordöstlich von hier ein Land liegt, wo jeder Mensch 1400-mal sein Eigengewicht, drei Ochsen und mehrere hundert Hühner verzehrt, wo es für jeden Lebensmittel im Überfluss gibt und diese sogar weggeworfen oder "aus Marketinggründen" vernichtet werden, wo Fettsucht, Diabetes und Bluthochdruck das Leben bedrohen und wo sich drei von vier Frauen zu dick fühlen, jede vierte es tatsächlich auch ist. Heute will ich mich ein wenig mit diesen Problemen beschäftigen (achtung, es gibt auch Magersucht - das ist auch ein Gegenteil). Ein hiesiger Bankdirektor hatte einen überteuerten, stets überfüllten Bauch. Überteuert waren auch seine Ärzte in den USA - bis ihm ein berühmter Spezialist antwortete, er behandle ihn überhaupt nicht. Bewegung sei seine einzige Hilfe. Der Bankdirektor nahm dies zu Herzen und schloss sich dem Tennis-Club an. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten; heute macht der Mann wieder eine gute Figur. Ich persönlich glaube allerdings, dass hier wie nirgendwo gilt "Vorbeugen ist besser als Heilen". Und zwar schon in der Jugend. Wenn die 20 Lenze mal vorbei sind, sind körperliche "Umbauten" wesentlich schwieriger zu vollziehen als vorher. Und vor allem ungeheuer langwierig. Tendenz mit Beschleunigung zunehmend. Ich bin glücklich, dass mir mein Vater ein gutes und gesundes Leben vorlebte. Er ass nur, wenn und solange er Lust hatte, und liess den Rest stehen, im Restaurant ungeachtet des Preises. Er trank und rauchte mässig und trieb nichts über die Vernunft. Er war sportlich und nahm mich schon als Knirps mit auf seine Bergtouren. Er behielt stets seine gute Linie und war nur selten beim Arzt. Meine Mutter hörte leider zu früh mit dem Sport auf, liess sich gerne herum chauffieren und ass ausgiebig und immer tellerleer. So lernt man es ja schon als Kleinkind, und wenn das Kleinkind seinen Ablehnung zeigt (es hört noch unbewusst seinen Körper !), wird es gezwungen. Löffel für Löffel rein in den Mund, und dies nicht nur zu Essenszeiten, sondern den ganzen Tag. Ich hatte meine Mutter rechtzeitig und vergeblich auf die Folgen aufmerksam gemacht, die liessen nicht auf sich warten. Bald mochte sie zuhause nicht mehr treppauf steigen, Hüftoperationen und Kuraufenthalte folgten, und bis zum Rollstuhl war es dann nicht mehr weit. Sie musste ein schweres, leidvolles Alter erleben. Die Mutter einer Freundin, die auch zu viel gegessen hatte und stark übergewichtig war, brach in unserer Gegenwart zusammen und hatte das Becken mehrfach gebrochen. Die Schmerzen waren so gross, dass wir sie weder ablegen noch aufrichten konnten. Wir mussten sie in einer Schräglage halten, bis wir fast nicht mehr konnten, und bis Arzt und Ambulanz eintrafen. Zu viel und falsch essen rächt sich an Knochen und Gelenken - Knie- und Hüftgelenke halten der Belastung nicht mehr stand. Aber auch das Herz wird überfordert, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Arthrose und andere Krankheiten sind die Folge. Neben den medizinischen wird die Fettleibigkeit auch zu einem kosmetischen und psychologischen Problem. Man schämt sich, in Shorts oder Badehose zu steigen, und man verstärlt das Problem, indem man jetzt auch Wellness-Zentren und Badestrände und damit Bewegung meidet. Fettleibigkeit entsteht durch Überernährung, falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Naschverhalten, Ess-Sucht, Depressionen, selten durch genetische Faktoren, also Vererbung. Diese Ursachen werden verstärkt durch falsche Vorbilder, Kulturen, Einstellungen, gutmeinende Grossmütter oder Sozialbilder wonach man einen dicken Bauch zur Schau tragen muss um reich zu scheinen. Werbung für Hochkalorisches, Alkoholika, Süßigkeiten, Fette, Fertiggerichte, Fastfood, Naschereien, Knabberartikel tragen dazu bei. Sie können zu einer Störung der Ausschüttung des Hormons Leptin führen, welches eine wichtige Rolle bei der Regulation des Hungergefühls spielt, und so das Problem weiter verstärken. Ich darf mich glücklich schätzen, schon seit meiner Jugend die Überzeugung gewonnen zu haben, dass man selbst seines Glückes Schmied ist, dass man über respektable innere Kräfte verfügt die man mobilisieren und nutzen muss, dass man selbst verantwortlich für seine Gesundheit ist und lernen muss, auf seinen Körper zu hören. Er meldet dir, wenn du etwas ändern musst und wenn es von etwas genug ist. Ich KANN gar nie zu viel essen, denn sobald es zuviel wird, kann ich nicht mehr schlucken, und zwar fast augenblicklich. Ich kann auch nie zu viel Alkohol trinken, denn bevor es zu viel wirde (und das kann sehr wohl schon nach einem Glas Wein geschehen), meldet sich Kopfweh. Und ich kann auch nicht zu viel rauchen, denn wenn es genug wird für den Körper, dann wird mir augenblicklich schlecht. Das geschah auch als ich vor 60 Jahren aus Neugierde einmal Drogen versuchte. Es blieb das einzigemal in meinem Leben. Und ich war und bin froh um diese Zeichen des Körpers. Ich glaube, wenn der Körper nicht mehr so reagiert, ist er bereits kaputt. Und es ist schwierig, ihn zu reparieren. Wenn er sich die Organe einmal an zu viel Futter angepasst haben, braucht er davon immer mehr, denn sonst kommen Mangelerscheinungen. Es ist ein Teufelskreis. Ich trieb mässig Sport, mied nie Treppen und mochte keine Übertreibungen. Hier in Haïti halfen mir die Umstände - Strommangel etc. - mit der Sonne zu leben, beim Morgengrauen aufzustehen und mich nach Sonnenuntergang niederzulegen. Das heisst den Tag auch ohne Fernsehen abzuschliessen. Rundherum sehe ich - im Gegensatz dazu - wie die Menschen, kleine Kinder inbegriffen, abends im kaltblauen Neonlicht sitzen oder in den Flimmerkasten starren. Auch die Lautstärke der Musikquellen der Jungen gehört dazu - das ist bestimmt nicht das, was die Natur geschaffen und gewollt hat. Natürlich leben, auf den Körper hören und nichts übertreiben, ist doch eigentlich nicht schwer ? Ich bin überzeugt, dass man dann nie krank wird, nie dick, nie einen Arzt braucht. Auch keinen Zahnarzt - mein einziges Handicap. Aber auch daran bin ich selber schuld, ich muss jetzt bezahlen dafür. Aber darüber ein andermal. Schlimm ist immer, wenn man etwas zu spät merkt, und man korrigieren muss. Oder wenn erbliche Vorbelastungen bestehen. Dann kann es sein, dass die Selbstmotivation zwar unterstützend wirkt, aber allein nicht mehr ausreicht, dass es sogar ärztlicher Hilfe bedarf. Da kommen dann Medikamente, die die Fettaufnahme verhindern sollen, oder sogar chirurgische Eingriffe an die Reihe. Doch meistens hilft schon, mindestens unterstützend, ausreichend Bewegung: sportliche Betätigung, Wandern in freier Natur, im Geschäft einmal jede Woche Treppensteigen und den Lift links liegen lassen. Das wichtigste ist natürlich eine gesunde Ernährung, sparen bei Kalorien und Kohlenhydraten, geizen mit Fett, Salz und Zucker. Man kennt die "55-30-15 Regel": 55 Prozent Kohlehydrate, 30 Prozent Fett und 15 Prozent Eiweiss decken den täglichen Energiebedarf. Gut sind immer Rohkost, Salate, Gemüse und Obst. Fleisch nur in Mini-Dosen. Aber nicht jeder liebt es, mit Taschenrechner oder Laptop zu kochen oder zu essen. Iss einfach was und soviel du willst, aber höre auf deinen Körper. Wenn du es nicht mehr kannst, versuche es wieder zu lernen. Denn der weiß selbst, was gut für ihn ist und was nicht ! So einfach ist das, der Körper bekommt was er braucht, und du kannst Schritt für Schritt Pfunde verlieren. Richtiger Umgang mit Nahrung ist der Schlüssel zu Gesundheit, Wohlergehen, innerer und äusserer Beauty, Glück und langem Leben! Siehe auch www.swissfot.ch/HTM_public_d/adressen/Essen-Kochen.htm & www.swissfot.ch/HTM_public_d/adressen/Gesundheit_Ernaehrung.htm Otto Hegnauer www.swissfot.ch |